Schleifwerkzeuge erklärt - Vergleich von Exzenterschleifer, Schwingschleifer und Bandschleifer

Gespeichert von firstlevel am So., 09.10.2016 - 12:16

Wer mit dem Gedanken spielt, Möbel oder Holzwerke selber zu bauen, alte Möbel zu restaurieren oder auch nur die Gartenstühle und Tische auf Vordermann bringen möchte, kommt schnell über die alte Methode der Hand + Schleifpapier hinaus und möchte vorankommen. Dennoch sei gesagt, dass dieses mit die günstigste Methode und vielleicht gerade an filigranen Stellen, wo Schleifmaschinen schwieriger hinkommen, immer noch die bevorzugte Wahl ist. Dennoch sprechen wir meist von Oberflächengrößen, die mit der Hand weniger Spaß machen. Hierzu bietet der Handel eine größere Auswahl an Schleifgeräten an, und ganz ehrlich: Ich stand am Anfang wie Ochs vorm Berg und fand einfach mal alle toll. (Ja, da kommt das Kind im Manne durch). Aber welche nun wofür waren, mit welchen Vor-und Nachteilen, konnte mir selbst der Berater aus der Abteilung nur bedingt erklären. Und wenn man da nun so vorm Regal steht, möchte man einfach loslegen und nicht noch stundenlang im Internet recherchieren.

Ich mache es mal kurz, bevor ich versuche, ein paar Dinge zu erklären und zu vergleichen. Der normale Hobby-Heimwerker bis hin zum fortgeschrittenen Heimwerker ist gut bedient mit einem Exzenterschleifer oder einemSchwingschleifer. Bandschleifer eignen sich vor allem, um einen großen Abrieb zu erzeugen, d.h. eher viel Holz abzutragen und Deltaschleifer sind nette Spielzeuge, die zwar Ihren Zweck erfüllen, ich aber mehr in den Bereich Basteln kategorisiere. Nicht falsch verstehen, ich habe auch einen und sie erfüllen Ihren Zweck für Ecken und Kanten, auch um Türrahmen abzuschleifen, wenn man gerade umgezogen ist, die sind aber einfach für die „feineren“ Arbeiten da.

 

Schwingschleifer

Schwingschleifer sind jene Geräte, die mir gefühlt in der Werbung, im Weihnachtsgeschäft und im Frühling am häufigsten über den Weg laufen. Ich vermute, weil sie am kostengünstigsten sind und sich eher vermarkten lassen. Schwingschleifer gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Formen, so zählt der Deltaschleifer auch mit zu den Schwingschleifern, und ist die wahrscheinlich handlichste Form der Schwingschleifer.

Schwingschleifer haben im Vergleich einen eher kleinen Hub (meist 2-3mm) und wie der Name schon sagt, schwingt der Schleifteller. Hier gibt es unterschiedliche Ausführungen, meist in einer kreisförmigen Bewegung. Sie weisen eine eher geringe Schleifbewegung auf, arbeiten dafür aber mit einer hohen Anzahl von Schwingungen.
Schwingschleifer eignen sich besonders gut zum Schleifen von ebenen Flächen und weisen eine hohe Oberflächenqualität, je nach Schleifpapier, am Werkstück auf. Schwingschleifer eignen sich gut für feine Oberflächen und feine Schleifbilder, mit kaum sichtbaren Schleifspuren im Holz. Im Vergleich zu anderen Schleifern tragen Schwingschleifer eher weniger Material (bedingt durch den Hub) ab.

 

Exzenterschleifer

Exzenterschleifer arbeiten nach dem Prinzip der Schwingung mit überlagerter Rotation. (das hört sich komplizierter an, als es ist). Im Grunde schwingt die Schleifscheibe, während sie gleichzeitig versucht zu rotieren. Die Schleifscheibe ist dabei meist rund=kreisförmig. Mit einem Exzenterschleifer kann eine ebenso hohe und feine Schleifleistung wie bei einem Schwingschleifer erreicht werden. Bei Exzenterschleifern ist die Arbeitsleistung höher und je nach Schleifpapier kann dadurch zusätzlich ein größerer Abrieb erzeugt werden, aber auch hohe und feine Schleifbilder sind möglich. Dadurch, dass die Schleifscheibe meist rund und nicht eckig wie beim Schwingschleifer ist, können Exzenterschleifer nicht so gut in die Ecken kommen.

Im Handel sind Schleifteller mit 125mm und 150mm Durchmesser üblich.

Eine Art Sonderform unter den Exzenterschleifern ist der Getriebeexzenterschleifer. Wie der Name schon sagt, hat dieser Exzenterschleifer ein eingebautes Getriebe, was ein Umschalten möglich macht und dadurch vielseitig einsetzbar wird. Hier wird eine Exzenterbewegung mit stark rotierendem Schleifteller für Grobschliffe und auch zum Polieren kombiniert mit einer Exzenterbewegung für den Feinschliff. Im Grunde wird versucht, eine gewisse Grobheit mit einer gewissen Feinheit zu kombinieren und so dem Handwerker die Entscheidung etwas zu vereinfachen. Das Getriebe hat natürlich seinen Preis, macht aber unter Umständen einen Bandschleifer überflüssig.

Bandschleifer

Mit Bandschleifern wird im Grunde ein recht großer Abrieb erzeugt. Ein Schleifband läuft quasi im Kreis als eine Art Endlos-Schleifband. Dadurch wird ein lineares Schleifbild erzeugt, welches im Vergleich zu den anderen Schleifern deutlich gröber ist und durchaus auch Riefen und Rillen mit ins Werkstück einarbeiten kann. Aber gerade, um grobe Oberflächen anzugleichen, sind Bandschleifer nicht schlecht.
Bandschleifer erzeugen eine recht hohe Umlaufgeschwindigkeit des Schleifpapieres. Gerade für Naturhölzer mit Faserverlauf kann das ideal sein.

 

Überblick Schleifwerkzeuge im Vergleich

 

Schwingschleifer

Exzenterschleifer

Bandschleifer

Vorteile

  • für Feinschliff und Zwischenschliff
  • gut für Ecken und Kanten
  • leicht und handlich
  • trägt gut das Material ab
  • sehr gutes Schleifbild
  • liegt gut in der Hand
  • auch zum Polieren geeignet
  • hoher Abtrag vom Material
  • lineare Schleifbewegung

Nachteile

  • Nicht gut für große Flächen
  • mittlerer Abtrag vom Material
  • runder Schleifteller = nicht für Ecken
  • nicht gut für Ecken

Einsatzgebiete

  • Feinschliff
  • empfindliche Materialien
  • Anschleifen bis Zwischenschliff
  • Vorschliff, Feinschliff
  • fast überall einsetzbar
  • auch zum Polieren geeignet 
  • gut für große Flächen
  • auch für Lack schleifen
  • gut für Planschleifen

 

 

Autor / Redaktion
bp, bl